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Wolfram von Eschenbach - Leben und Werk

 Wolfram nach der<br>Manessischen Liederhandschrift,<br> 14. Jh.
Wolfram nach der
Manessischen Liederhandschrift,
14. Jh.


Der Dichter des „Parzival“ stellt sein Licht nicht unter den Scheffel. Er tritt des öfteren im Werk selbst in Erscheinung, nennt seinen Namen und ist stolz auf sein Künstlertum: „Ich bin Wolfram von Eschenbach, und ich kann auch Lieder machen“ (114, 12-13). Es gefällt ihm, in verschiedene Rollen zu schlüpfen. Wenn es gilt, dünkelhafte Verletzungen abzuwehren, die er offenbar von einer hochrangigen, adligen Dame erdulden mußte, stellt er hintergründig-polemisch sein Rittertum über sein Künstlertum: „Ich bin zum Ritterdienst geboren./ Wenn eine meinen Mut nicht fordert, / mich wegen meiner Liedkunst liebt, / so scheint die mir nicht klar im Kopf.“ (115,11-14)

Wolfram schätzte Menschlichkeit, Witz und Phantasie. Das Denken in Schablonen ist ihm zuwider, er spottet über steife Konventionen und hohle Bildung: „...ich bin nicht schriftgelehrt.“ (115, 27) Dennoch ist er auf der Höhe der Zeit, kann lateinische und französische Quellen lesen und kennt sich in der deutschen Literatur bestens aus. Er ist nach vielen Seiten hin aufgeschlossen, sättigt sein Werk mit reicher Lebenserfahrung und wissenschaftlichen Kenntnissen, zeigt sich vertraut mit Geographie, Stein- und Pflanzenkunde, Astronomie, Theologie und Bibelkunde. Geschichtliche Bezüge im Werk grenzen die Schaffenszeit auf die Jahre zwischen 1200 und 1217 ein.

Die Herkunft

Orts- und Personennamen im „Parzival“ deuten darauf hin, daß Wolfram aus dem hiesigen Eschenbach, dem heutigen Wolframs-Eschenbach, stammt. Der Dichter verweist durch Anspielungen auf den Grafen von Wertheim, den Grafen von Abenberg und den Grafen von Truhendingen, die im hohen Mittelalter in und um das hiesige Eschenbach begütert sind und sich gegenseitig kennen. Wolfram gibt ebenso zu verstehen, daß ihm der Graf von Dollnstein und der Herr von Durn auf der Burg Wildenberg bei Amorbach bekannt sind, zwei Herren, die derselben politischen Fraktion angehören wie die oben genannten und den größeren geographischen Kreis um das fränkische Eschenbach schließen. Wolfram dehnt im Fortlauf des Werkes den Gesichtskreis über das fränkische Gebiet aus, gedenkt auch der Markgräfin von Cham, deren Glanz von der Burg Haidstein aus das Land überstrahle, oder er berichtet über den Hof des Landgrafen von Thüringen.

 Heimat des Parzivaldichters im Jahr 2006
Heimat des Parzivaldichters im Jahr 2006

Der Parzival 

Das Epos des „Parzival“ ist das umfangreichste Werk des Autors. Es handelt davon, die neuen, ritterlichen Ideale von Mut, Tapferkeit und Freude an der Welt zur Geltung zu bringen und gleichzeitig mit den christlichen Werten der Demut und Nächstenliebe zu verbinden. Parzival zieht in jungen Jahren unbekümmert und draufgängerisch in die Welt hinaus, übernimmt fremde Lebensregeln, ohne selbst über sie nachzudenken, verstrickt sich in Schuld und zweifelt an der Güte Gottes. Erst als er dazu übergeht, sich über die eigene Person und die Lebenszusammenhänge mehr Klarheit zu verschaffen, als er beginnt, mehr Verantwortung auf sich zu nehmen und besonnener zu handeln, kommt ihm umgekehrt die Güte des Lebens entgegen. Er wird nach vormaligem Scheitern zum Gralskönig berufen und nun Hüter des edlen Steins, der als Quelle des Lebens erscheint und an bestimmten Tagen wie ein Tischlein-Deck-Dich für Speis` und Trank, für Jugend und Schönheit sorgt.  

Die Gralsritter verknüpfen ritterliche und christliche Tugenden und leben ordensähnlich zusammen, so wie die Mitglieder des Deutschen Ordens, einer Gemeinschaft, die wohl noch zu Lebzeiten von Wolfram von Eschenbach im hiesigen Eschenbach Fuß fasst und vielleicht durch seine Vermittlung hier ansässig wird. Um 1212/20 überträgt der Graf von Wertheim, der im "Parzival" erwähnt wird, das Kirchenpatronat in Eschenbach an den Deutschen Orden. 

Neben dem „Parzival“ beginnt Wolfram noch zwei weitere Epen, „Willehalm“ und „Titurel“, schließt sie allerdings nicht ab. Auch einige Tagelieder und Werbungslieder sind von ihm überliefert.


 Das Siegel <br>Heinrichs von Eschenbach,<br>1325
Das Siegel
Heinrichs von Eschenbach,
1325


Die Familie

Die Familie von Eschenbach lässt sich im hiesigen Eschenbach urkundlich erst ab 1253 nachweisen. Der Komtur der Kommende des Deutschen Ordens in Eschenbach heißt in einer Quelle Bruder Heinrich von Eschenbach, und neben ihm tritt als Zeuge Herr Ludwig von Eschenbach auf. Bald danach erscheint Wolfelin von Eschenbach in den Quellen und wird als „miles“, rittlicher Dienstmann, bezeichnet. Man ist mit anderen fränkisch-bayerischen Rittergeschlechtern gut befreundet. Kathrei von Eschenbach heiratet den Feldhauptmann Seyfried Schweppermann, der 1322 die Schlacht bei Mühldorf zugunsten von König Ludwig entscheidet. Die Familie hat stattlichen Besitz in und um Eschenbach. Sie erhält unter anderem Lehnen von den Grafen von Wertheim, von den Burggrafen von Nürnberg (vermutlich aus dem Erbe der Grafen von Abenberg) und vom Deutschen Orden, sie gebietet über eine Reihe größerer und kleinerer Höfe und wohnt in herrschaftlicher Lage: „bei der Kirche“.

Ein Heinrich von Eschenbach ist in den ersten Jahrzehnten des vierzehnten Jahrhunderts der Chef der Hauses. Er führt 1325 ein Siegel mit Krugwappen, verfügt über das „halbe Gericht“ in Eschenbach, während seine Frau Margarete luxuriösen Rock und  Mantel aus „Ypernschem Tuch“ trägt. Aber von dieser Zeit an beginnt infolge der Agrarkrise der Abstieg des Geschlechts. Heinrich von Eschenbach verkauft nach und nach seinen Besitz an den Deutschen Orden und ist 1358 dessen „Zinsknecht“. Mitglieder der Familie lassen sich noch bis in das sechzehnte Jahrhundert in Eschenbach nachweisen.

Das Grabmal

Dem Anschein nach hat die Familie für ihr berühmtestes Mitglied im Eschenbacher Münster ein ansehnliches Grabmal gestiftet. Jakob Pütrich von Reichertshausen berichtet 1462 in seinem „Ehrenbrief“ von Wolframs Grab im Eschenbacher Münster. Es war auch noch vorhanden, als der Nürnberger Patrizier Hans Wilhelm Kreß 1608 die Kirche besuchte. Er überliefert die Grabinschrift: „Hie ligt der Streng Ritter herr Wolffram von Eschenbach ein Meister Singer“, und die Zeichnung, die Kreß vom Grabmal gibt, zeigt das Krugwappen, das sich auf dem Siegel von Heinrich von Eschenbach findet. Da es zu Wolframs Zeiten noch keine „Meistersinger“ gab, ist davon auszugehen, dass das Grabmal erst im vierzehnten Jahrhundert entstand. Es hat sich verloren und wurde wahrscheinlich bei den barocken Umbauten der Kirche entfernt.

 Wolfram-Denkmal
Wolfram-Denkmal

Das Denkmal

Nachdem sich der bayerische König Maximilian II. bereits 1857 an der Errichtung des Goethe-Schiller-Denkmals vor dem Nationaltheater in Weimar beteiligt hatte, indem er das Erz dafür stiftete, beauftragte er ebenso eine Kommission, die im fränkischen Eschenbach den Bau eines Wolfram-Denkmals in die Wege leiten sollte. Der Bildhauer Konrad Knoll modellierte das Standbild, das Wolfram durch Harfe, Lorbeerkranz und Schwert als Sänger, Dichter und Ritter kenntlich macht. Die Entwürfe für den Sockel wie für den umrahmenden Brunnen steuerte Eduard von Riedel bei, der später auch die Pläne für Schloss Neuschwanstein lieferte. Zur Enthüllung des Denkmals auf dem Marktplatz in Eschenbach strömte am 1. Mai 1861 eine große Menschenmenge aus nah und fern herbei. 

Das Museum

1995 wurde im Alten Rathaus das Museum Wolfram von Eschenbach eröffnet. Ideen und Texte stammen von Professor Karl Bertau, Dietmar Peschel-Rentsch, Hartmut Beck und Oskar Geidner. Für die künstlerische Gestaltung war Michael Hoffer verantwortlich. Leben und Werk des Dichters werden mit bildlichen Mitteln in Szene gesetzt.

Literatur
 
Einführung:

Joachim Bumke: Wolfram von Eschenbach. Metzler, Stuttgart 2004 

Horst Brunner: Wolfram von Eschenbach, Gunzenhausen 2004

Erwin Seitz/ Oskar Geidner: Wolframs-Eschenbach. Der Deutsche Orden baut eine Stadt. Wolframs-Eschenbach 1997

 
Textausgaben des Parzival: 

Wolfram von Eschenbach: Parzival. Mittelhochdeutscher Text nach der 6. Ausgabe von Karl Lachmann. Übersetzung von Peter Knecht. Einführung zum Text von Bernd Schirok. De Gruyter, Berlin, New York 1998

Wolfram von Eschenbach: Parzival. Nach der Ausgabe Karl Lachmanns revidiert und kommentiert von Eberhard Nellmann. Übertragen von Dieter Kühn. Deutscher Klassiker Verlag, Frankfurt am Main 1994

Wolfram von Eschenbach: Parzival. Mittelhochdeutscher Text nach der Ausgabe von Karl Lachmann. Übersetzung und Nachwort von Wolfgang Spiewok. Reclam, Stuttgart 1981

Dieter Kühn: Der Parzival des Wolfram von Eschenbach, Insel 1986

Diese Bücher können gegen Rechnung bei der Stadtverwaltung (Tel. 09875/9755-32), E-mail: info@wolframs-eschenbach.de oder direkt im Museumsbuchladen, Wolfram-von-Eschenbach-Platz 9, 91639 Wolframs-Eschenbach bezogen werden.



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